An ihrem ersten Kongress diskutierten die Thurgauer Gärtner über die beiden Initiativen zu Pflanzenschutzmitteln

Die Diskussionsrunde: Martin Eugster, Ruedi Kündig, Franziska Herren, Manuel Strupler und Roland Lenz.

Die Meinungen konnten nicht weiter auseinandergehen: An der Podiumsdiskussion über die Initiativen «sauberes Trinkwasser» und «Schweiz ohne synthetische Pestizide» sprachen die Befürworter von «Innovation», die Gegner vom «Untergang».

Die Meinungen konnten nicht weiter auseinandergehen: An der Podiumsdiskussion über die Initiativen «sauberes Trinkwasser» und «Schweiz ohne synthetische Pestizide» sprachen die Befürworter von «Innovation», die Gegner vom «Untergang».

Die nationalen Initiativen «Für sauberes Trinkwasser» und «Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide» wollen den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln verringern. «Die Themen sind omnipräsent und alle sind betroffen. Von der Bevölkerung über die Wirtschaft bis hin zu Kantonen und Gemeinden», sagte Martin Eugster, Leiter des kantonalen Amts für Umwelt.

Unter seiner Leitung gab es am ersten Thurgauer Gärtnerkongress in Neukirch-Egnach eine Podiumsdiskussion über die Initiativen. Franziska Herren und Roland Lenz als Befürworter sowie Ruedi Kündig und Manuel Strupler als Gegner kreuzten die Klingen.

Teure Lebensmittel befürchtet

Für Roland Lenz, der am Iselisberg ein biologisches Weingut betreibt, «ist der Verzicht auf Pestizide überhaupt kein Problem». Seit 1750 gebe es resistente Reben, mit denen der Betrieb seit 25 Jahren arbeite. «Wir produzieren pestizidfreien Wein.» Franziska Herren, Initiantin der Trinkwasserinitiative, gab zu bedenken, dass «wir heute über die Direktzahlungen auch die Folgeschäden für Mensch und Natur subventionieren».

Im Kampf gegen Schädlinge werde schon viel gemacht, hielt Ruedi Kündig vom Gärtner-Zentralvorstand JardinSuisse dagegen. In den Gewächshäusern sei dies gut möglich, in den Baumschulen aber nicht einfach.

«Ich betrachte beide Initiativen sehr kritisch», sagte der Thurgauer SVP-Nationalrat Manuel Strupler. Direktzahlungen seien keine Subventionen, sondern die Abgeltung von Leistungen. Er befürchtete:

«Bei Verzicht auf synthetische Pestizide werden die einheimischen Lebensmittel teurer, Import und Einkaufstourismus nehmen zu.»

Franziska Herren entgegnete: Die Landwirtschaft fühle sich durch die Initiativen angegriffen, doch «produziert werden Lebensmittel, die der Gesundheit schaden». Sie fürchte keine hohen Ertragseinbussen bei den Betrieben.

Gesucht ist der Mittelwert 

«Für den Verband sind beide Initiativen nicht tragbar», erklärte Ruedi Kündig die Meinung von JardinSuisse. Niemand sei gegen gutes Trinkwasser, aber bei einem Ja zur Initiative gehe die Entwicklung neuer Produkte zurück. Das mögliche Verbot synthetischer Pestizide sei ein grosses Problem, sagte er. «Wir setzen wenig ein, aber ohne geht es nicht.» Als die Gärtner auf integrierte Produktion gesetzt hätten, seien die öffentlichen Aufträge wegen der höheren Preise zurückgegangen.

Weinbauer Roland Lenz sah ein anderes Problem:

«Wenn mein Biobetrieb durch Pestizide kontaminiert wird, kann ich nichts mehr verkaufen. Haftbar wäre die Gemeinde.»

Die Kunden seien gefragt, sagte Manuel Strupler. Sie wollten wohl Schweizer Produkte konsumieren, aber wenig dafür bezahlen. Im Bereich Pestizide gebe es Verbesserungen und zwischen Bio- und konventioneller Produktion müsse es einen Mittelweg geben.

«15 Prozent der Schweizer Betriebe produzieren heute schon so, wie es die beiden Initiativen verlangen», sagte Roland Lenz. Das sei die Zukunft, anders gehe es bald nicht mehr und das verlange halt Innovation. Die Trinkwasserinitiative sehe er als Chance für die Landwirtschaft, in die Zukunft zu gehen.

 

https://www.tagblatt.ch/ostschweiz/frauenfeld/an-ihrem-ersten-kongress-diskutierten-die-thurgauer-gaertner-ueber-die-beiden-initiativen-zu-pflanzenschutzmitteln-ld.1196361

Zurück

Copyright 2020 Manuel Strupler. Alle Rechte vorbehalten. Impressum design by cinziadesign